Djokovic in Paris: Das Tableau entscheidet sich im Return

Novak Djokovic kommt als Nummer 10 der Setzliste zum Rolex Paris Masters (2.-8. November) und mit einem klar benennbaren Problem. In den letzten beiden Niederlagen hat sein Return nichts entschieden. In Shanghai hielt Hubert Hurkacz alle zehn Aufschlagspiele, in Basel gewann Jan-Lennard Struff 6-7, 7-5, 7-6 und schlug dabei 27 Asse. Das Pariser Tableau stellt ihm solche Aufschläger in der ersten Runde, im Viertelfinale und im Halbfinale gegenüber. Sein Lauf hängt davon ab, wie viele Return-Games er in den Einstand zwingen kann.
Erste Runde: Vacherot und der zweite Aufschlag
Die Auslosung hat ihm gleich Valentin Vacherot beschert, der ihn im Halbfinale von Shanghai 2025 mit 6-3, 6-4 schlug, damals gegen einen körperlich angeschlagenen Djokovic. Der Monegasse ist 1,93 Meter groß, baut seine Aufschlagspiele auf dem ersten Aufschlag auf und hat auf diesem Court schon gewonnen: Vor einem Jahr kam er bis ins Viertelfinale. Djokovic hat seit dem siebten Titel 2023 nicht mehr in Paris gespielt und stand in der Arena von La Défense noch nie auf dem Platz.
Vacherots Profil zeigt sich im Sieg über Rafael Jodar in Basel, 7-6, 2-6, 7-6, mit zwei von drei Sätzen im Tiebreak. Er trägt die Partien dorthin, wo der Return kaum Punkte hat, um etwas zu bewirken.
Djokovics Plan besteht aus dem tiefen, geblockten Return in die Mitte beim ersten Aufschlag, um Vacherot die Angriffsvorhand nach dem Aufschlag zu nehmen, und aus einem Schritt ins Feld beim zweiten. Gegen Struff fiel die Entscheidung im Tiebreak des dritten Satzes.
Von der zweiten Runde bis ins Viertelfinale: lange Ballwechsel, dann Zverev
Die zweite Runde gegen Luciano Darderi oder einen Qualifikanten ist der bequemste Abschnitt des Wegs: Gegner, die den Ballwechsel von der Grundlinie suchen und keine direkten Punkte mit dem Aufschlag, also genau die Art Partie, die Djokovic in Peking gewonnen hat.
Im Achtelfinale lautet die Projektion Alex de Minaur, an Nummer 8 gesetzt, der bereits ein Freilos hat. Die beiden trafen im Finale von Peking am 6. Oktober aufeinander: Djokovic gewann den ersten Satz 7-6, und der Australier gab im zweiten wegen eines Problems am Adduktor auf. De Minaur verteidigt mit Tempo, macht aber keine direkten Punkte mit dem Aufschlag, und gegen diesen Gegnertyp wirkt Djokovics Return sofort. Ist der Adduktor nicht in Ordnung, wächst der Vorteil. Alternativ kommt Andrey Rublev.
Im Viertelfinale wartet Alexander Zverev, an Nummer 1 gesetzt und Paris-Sieger von 2024. In Peking schlug Djokovic ihn 4-6, 6-4, 6-4 nach Satzrückstand. Im selben Viertel des Tableaus steht aber auch Hurkacz, der in der ersten Runde auf Lorenzo Musetti trifft. Ein Viertelfinale gegen den Polen würde genau das Shanghai-Problem wiederholen.
Halbfinale und Finale
Im Halbfinale ist das wahrscheinlichste Viertel das von Ben Shelton, an Nummer 3 gesetzt: ein Linkshänder, der viele Punkte mit dem Aufschlag beendet, bevor der Ballwechsel beginnt. Im Finale ist der Favorit der unteren Hälfte Carlos Alcaraz, mit Daniil Medvedev, Arthur Fils und Flavio Cobolli in derselben Hälfte. Jannik Sinner fehlt, wegen seines Knies außer Gefecht.
Die Platzbedingungen können dem Return helfen. 2025 hatte der Veranstalter den Belag nach Beschwerden über die als zu schnell empfundene Vorjahresausgabe verlangsamt, und Alexander Bublik hatte ihn als langsamsten Indoor-Court bezeichnet, den er je gesehen habe. Die Geschwindigkeit für 2026 wurde nicht kommuniziert: Bleibt der Court wie im Vorjahr, werden Djokovics Return-Games auch gegen die Aufschläger länger.
Gegen Vacherot ist Djokovic leichter Favorit, gegen de Minaur klarer Favorit, falls der Australier angeschlagen spielt, gegen Zverev ist es ein Münzwurf. Der Titel bleibt mit Alcaraz auf der anderen Seite unwahrscheinlich. Die Prognose kann in zwei Richtungen kippen. Nimmt er Vacherot im ersten Satz den Aufschlag ab und spielt sich der Court so langsam wie 2025, wird das Halbfinale realistisch. Bleibt der Return auf dem Niveau von Shanghai, ohne ein Break, scheidet er in der ersten Runde aus. Im Race nach Turin liegt er außerhalb der Top neun, also außerhalb des letzten Platzes, der mit dem verletzten Sinner noch zur Qualifikation reicht. Dafür braucht er einen langen Lauf.


