Musetti-Van Assche: Es geht ums Halbfinale

Lorenzo Musetti geht im Viertelfinale von Lyon gegen Luca Van Assche als Favorit ins Match, weil sein Aufschlag in den letzten Wochen gehalten hat, auch wenn der Rest seines Spiels nicht lief. Van Assche hat nur einen Weg: Ballwechsel und Sätze in die Länge ziehen, bis der Gegner anfängt, Fehler zu machen. Gegen Valentin Vacherot hat das funktioniert. Das einzige direkte Duell zeigt, dass es auch gegen den Italiener funktionieren kann.
Wie Van Assche das Match gegen Vacherot gedreht hat
Am Donnerstag schlug Van Assche den an Nummer 3 gesetzten Vacherot mit 2-6, 6-4, 6-4. Der erste Satz dauerte 40 Minuten: Vacherot schlug 7 Asse bei 89 Prozent erster Aufschläge im Feld, und der Satz endete 6-2.
Das Match kippte, als Vacherot aufhörte, die Punkte mit dem Aufschlag zu beenden. Im ersten Game des zweiten Satzes unterliefen ihm sechs unerzwungene Fehler, und er verlor sein Aufschlagspiel. Im zweiten Satz waren es 21 unerzwungene Fehler, im gesamten Match 49. Im dritten Satz gelang Van Assche das entscheidende Break gleich in den ersten Games.
Van Assche bringt einen Ball mehr zurück, hält den Punkt am Leben und überlässt das Risiko dem Gegner. Auf dem Hartplatz in der Halle der LDLC Arena, mit dem Publikum im Rücken, trägt dieser Plan so lange, wie auf der anderen Seite die Fehler kommen.
Musettis Aufschlag und die vergebenen Breakbälle
Musetti kommt mit dem umgekehrten Problem. Der Aufschlag hält. In Shanghai verlor er 7-6, 3-6, 7-6 gegen Zhou Yi, die Nummer 277 der Welt, ohne im ganzen Match auch nur ein Break hinzunehmen.
Im dritten Satz dieser Partie hatte er drei Breakbälle in Folge und verwandelte keinen davon, dann ging der entscheidende Tie-Break 7-1 an den Chinesen. Musetti gab sein Aufschlagspiel nie ab und verlor trotzdem das Match: Das Problem war die Umsetzung beim Return.
Gegen Van Assche wiegt dieses Problem schwerer. Ein Gegner, der keine Punkte verschenkt, zwingt Musetti, sich das Break im Ballwechsel zu erarbeiten, und genau dort hat Van Assche seine Aufholjagd gegen Vacherot aufgebaut.
Das Duell von Melbourne
Das einzige direkte Duell stammt aus der zweiten Runde der Australian Open 2024. Van Assche, damals die Nummer 79, gewann 6-3, 3-6, 6-7, 6-3, 6-0 in drei Stunden und neunundvierzig Minuten. Musetti führte mit 2-1 Sätzen und 3-2 im vierten Satz, dann verlor er den Satz mit 3-6 und den fünften mit 0-6.
Van Assche gewann jenes Match über die Distanz, so wie jetzt gegen Vacherot. Im Best-of-three ist die Partie kürzer, und das nimmt ihm einen Teil des Vorteils, den ihm in Melbourne der fünfte Satz gebracht hatte.
Musetti bleibt Favorit, mit einem leichten Vorteil. Sein Aufschlag sichert ihm die eigenen Aufschlagspiele, und in Lyon hat er nach Matteo Arnaldi auch Moïse Kouamé mit 6-4, 6-4 geschlagen.
Die Prognose kippt, wenn das Match in den dritten Satz geht und Musetti bei den Breakbällen weiter leer ausgeht: Dann kommen das französische Publikum und die körperliche Belastbarkeit des Italieners ins Spiel, der bei den US Open gegen Dane Sweeny verlor, obwohl er den ersten Satz gewonnen hatte. Die Zahl, auf die man achten sollte, ist Musettis Quote bei den Breakbällen im ersten Satz. Verwandelt er früh einen, bleibt das Match kurz.


